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3D-Modellierung für Landschaftsarchitektur mit Ramboll

Heute unterhalten wir uns mit dem Landschaftsarchitekten Anders Hus Folkedal von Ramboll, einem multidisziplinären Ingenieurbüro mit Hauptsitz in Dänemark. Mit über 15.500 Mitarbeitenden an 300 Standorten in 35 Ländern kombiniert Ramboll lokale Erfahrung mit einer globalen Wissensbasis, um inspirierende Projekte in allen Bereichen umzusetzen. Die Designfirma ist in den folgenden Branchen tätig: Gebäude, Verkehr, Planung und Städtebau, Wasser, Umwelt und Gesundheit, Energie und Unternehmensberatung.

Heute verrät uns Anders Hus Folkedal, wie die 3D-Modellierung in SketchUp seine Arbeitsweise verändert hat.

Foto von Anders Hus Folkedal, leitender Landschaftsarchitekt bei Ramboll

Was ist Ihre Rolle im globalen Team von Ramboll?

Ich bin seit fast zwei Jahren im Landschaftsarchitekturteam von Ramboll am Standort in Drammen, unserem drittgrößten Büro in Norwegen. Neben dem elfköpfigen Landschaftsarchitekturteam arbeiten dort u. a. auch Ingenieur:innen und Spezialist:innen, darunter Architekt:innen, Raum-, Straßen- sowie Verkehrsplaner:innen sowie Gebäude- und Wasseringenieur:innen. Diese disziplinübergreifende Talentvielfalt ist typisch für die meisten Ramboll-Büros. Mein Spezialistenteam erstreckt sich zwar auf zwei weitere Standorte in Norwegen, Fredrikstad und Oslo, aber wir sind eng miteinander verbunden und tauschen regelmäßig Wissen und Ressourcen aus.

Einzelne Mitglieder aller Landschaftsarchitekturteams in Norwegen treffen sich zudem regelmäßig, um aktuelle Entwicklungen und neue Ansätze in den Bereichen 3D und BIM zu diskutieren. Darüber hinaus vernetzen wir uns auch mit anderen Kolleg:innen in internationalen Büros, um Herausforderungen zu lösen und Arbeitsabläufe zu erkunden. 

Wie sind Sie auf SketchUp gekommen?

Vor zwölf Jahren lernte ich während meines Studiums, meine Projekte in Civil 3D zu entwickeln. Ich glaube, dass die meisten meiner Kolleg:innen dies noch immer täglich tun. Einige verwenden keine Tools wie SketchUp und haben mit starren Geländemodellierungsmethoden zu kämpfen. Bis vor fünf Jahren nutzte ich auch noch Civil 3D für die Geländemodellierung und ich hatte auch viele Schwierigkeiten. Das änderte sich, als ich an einem komplizierten Wohnprojekt mit einer Höhenspanne von 26 Metern arbeitete. Ich hätte das Modell in Civil 3D ohne eine intuitivere Möglichkeit zur Betrachtung des 3D-Raums nicht wirklich entwickeln können.

SketchUp-Stadtmodell von Hønefoss in Lumion. Für das Projekt arbeiteten Architekt:innen von Rambøll mit Architekt:innen von DRMA zusammen.

SketchUp-Stadtmodell von Hønefoss in Lumion. Für das Projekt arbeiteten Architekt:innen von Rambøll mit Architekt:innen von DRMA zusammen.

Die Lösung bestand für mich darin, die gesamte Projektentwicklung auf SketchUp umzustellen. So konnte ich mit dem vorhandenen Gelände und der Geometrie des Architekten auf eine sinnvolle Art und Weise arbeiten. Ich konnte viel mehr in einem einzigen Programm machen: Ich konnte das Gelände gestalten, die Konstruktionsdetails erstellen und mit grünen Volumen arbeiten. Von da an nutzte ich anfangs immer SketchUp und dann später Civil 3D, um Geländemerkmale zu integrieren und 2D-Zeichnungen zu erstellen.

„Mir wurde klar, dass SketchUp mehr ist als nur eine 3D-Modellierungssoftware – es ist ein Kommunikationsmittel.“

Wie hat sich das auf Ihre Arbeit ausgewirkt?

Mir wurde klar, dass SketchUp mehr ist als nur eine 3D-Modellierungssoftware – es ist ein Kommunikationsmittel. Das war ein echter Augenöffner. Denn aufgrund der 3D-Umgebung bietet SketchUp die Möglichkeit, visuell zu kommunizieren und eine bessere, ästhetisch ansprechende Architektur zu schaffen. Wir konnten so die Zusammenarbeit mit Auftragnehmern und Kunden enorm verbessern. Und mir macht die Arbeit zehnmal mehr Spaß.

Wir lösen komplexe und schwierige Gebäudeprobleme, weil alle Beteiligten auf ein 3D-Modell zugreifen. Bei jedem Meeting steht das SketchUp-Modell im Mittelpunkt. Wir projizieren es meist an die Wand, damit wir neue Ideen besser vorstellen und Zustimmung einholen können.

„Die Möglichkeit, ein 3D-Modell zu zeigen, beschleunigt den Design- und Genehmigungsprozess wirklich.“

Beispielsweise befürchtete ein Kunde bei einem Projekt, dass eine Reihe von Betonwänden zu imposant sein würden. Mit der 3D-Visualisierung konnten wir ihm jedoch zeigen, dass der Raum durch die Einbeziehung von Bäumen größer wirkte, sodass der kahle Beton kein Grund zur Sorge war. Mit 2D-Zeichnungen wäre dieses Gespräch nicht so produktiv gelaufen und viel schwieriger gewesen. Die Möglichkeit, ein 3D-Modell zu zeigen, beschleunigt den Design- und Genehmigungsprozess enorm.

Seitdem habe ich meinen Workflow umgestellt, sodass ich andere Plattformen gar nicht mehr verwende. Ich nutze SketchUp als Tool für den Dialog und die Zusammenarbeit, von kleineren Projekten wie dem Bau von Pflanzgefäßen und Schulhöfen bis hin zur Planung von Bahnhöfen und sogar großen Städten.

SketchUp-Stadtmodell von Hønefoss in Lumion. Für das Projekt arbeiteten Architekt:innen von Rambøll mit Architekt:innen von DRMA zusammen.

SketchUp-Stadtmodell von Hønefoss in Lumion. Für das Projekt arbeiteten Architekt:innen von Rambøll mit Architekt:innen von DRMA zusammen.

Wie wirkt sich die 3D-Modellierung auf Ihr Fachgebiet aus?

Die Landschaftsarchitektur tut sich zumindest in Norwegen schwer damit, von der Erstellung traditioneller 2D-Zeichnungen und starren technischen 3D-Geländemodellierung auf einen vollständig kreativen 3D-Workflow mit 3D-Modellierungssoftware umzusteigen. Während andere Fachrichtungen ihre Geometrie definiert sowie standardisiert und Software auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten haben, scheint die Landschaftsarchitektur stillzustehen. Es gibt kaum Softwareprogramme, die ausschließlich auf den Landschaftsbau zugeschnitten sind. Erst kürzlich konnten wir ein Klassifizierungssystem für BIM-Modelle definieren.

Norwegisches BIM-Klassifizierungssystem für Landschaftsfachleute

Norwegisches BIM-Klassifizierungssystem für Landschaftsfachleute

Ein Programm für Architekt:innen maßzuschneidern, ist relativ einfach. Denn die meisten – abgesehen von einer Handvoll bahnbrechender organischer Designer:innen – nutzen Volumenkörper mit rechteckigen Ecken und vertikalen/horizontalen Ebenen. Die Arbeit von Ingenieur:innen ist meist regelbasiert mit standardisierten Materialien. Die Schaffung einer spezifischen Landschaftsarchitektur-Software ist hingegen nicht so leicht, da Designs nicht orthogonal verlaufen und nie wirklich flach sind. 

Viele verwenden Autodesk mit einem Focus-Software-Plug-in, um 3D-Gelände in einer parallel projizierten 2D- oder 3D-Drahtmodellansicht zu modellieren. Der hochgradig mathematische Ansatz und die nicht intuitive Benutzeroberfläche erschweren die problemlose Nutzung und Kreativität. Die BIM-Standards erfordern für jedes Projekt, dass komplexe Geometrien die Struktur der Innenraumspezifikationen widerspiegeln. Das Endergebnis ist oft eine stark vereinfachte Oberfläche und ein 2D-Plan, was alles andere als ideal ist. Gerade hier wird das Potenzial von SketchUp für die Landschaftsgestaltung deutlich. Denn das Programm ermöglicht komplexe Oberflächengeometrien sowie Treppen und Außenmöbel. Einiges ist nicht in SketchUp möglich, wie z. B. UV-Mapping und Unterteilung. Aber ich bin mittlerweile so sehr mit dem Programm vertraut und schätze es sehr, dass ich Erweiterungen nutze, um diese Anforderungen zu erfüllen.

Anders Hus Folkedal verbringt viel Zeit damit, seine Rendering-Fähigkeiten in Unreal Engine zu optimieren. Oben: Eine in SketchUp erstellte und strukturierte Testszene. Unten: Baked Lighting und Rendering in Unreal.

Anders Hus Folkedal verbringt viel Zeit damit, seine Rendering-Fähigkeiten in Unreal Engine zu optimieren. Oben: Eine in SketchUp erstellte und strukturierte Testszene. Unten: Baked Lighting und Rendering in Unreal.

Darüber hinaus erforderte die Zusammenarbeit mit Drittanbietern, dass fast immer extern generierte Geometrie importiert werden muss. Zum Glück tauschen die meisten Profis IFC-Dateien aus, die in SketchUp verwendet werden können. Kompatibilität und Erschwinglichkeit werden immer zwei der wichtigsten Eigenschaften einer erfolgreichen Software sein.

Wie präsentieren Sie Ihre Entwürfe?

Es ist äußerst vorteilhaft, dem Kunden eine 3D-Modell-Landschaft persönlich zu präsentieren, insbesondere wenn es auf eine große Leinwand projiziert wird. Denn so können wir in Echtzeit auf Details eingehen und alles besprechen. So können wir sogar noch im Meeting kleinere Änderungen vornehmen – komplexere Anpassungen können dann im Büro ausgebessert werden. Statt Plänen fordern Kunden jetzt ausdrücklich 3D-Bilder, wenn sie um Updates bitten. Das Rendering mit Live-Link von Lumion zu SketchUp ist für Kundenanfragen von großem Vorteil. Um schnell und effektiv mit anderen Teammitgliedern während eines Projekts kommunizieren zu können, versehen wir Screenshots des SketchUp-Modells mit Anmerkungen. Das ist sehr praktisch.

Beispiel eines in Lumion gerenderten SketchUp-Modells. Für das Projekt arbeiteten Landschaftsarchitekt:innen von Rambøll mit Architekt:innen von DRMA zusammen.

Beispiel eines in Lumion gerenderten SketchUp-Modells. Für das Projekt arbeiteten Landschaftsarchitekt:innen von Rambøll mit Architekt:innen von DRMA zusammen.

Wir erkunden noch immer die Einsatzmöglichkeiten von Virtual Reality (VR). Wir haben mehrfach Pimax-4k-Head-Mounted-Displays in Kombination mit gerenderten 360-Grad-Bildern von Lumion verwendet. Wir bevorzugen diesen „Low-End“-Ansatz, da wir ganz einfach ein Headset zum Kundentermin mitbringen können, ohne dass Tracking-Sensoren, Controller und langwierige Erklärungen zu Einrichtung und Navigation erforderlich sind. Der Kunde sagt, wo er „stehen“ möchte, und wir rendern dann die Ansicht. Wir suchen immer nach Möglichkeiten, VR besser zu nutzen. Denn die Technologie ist einfach ideal, um sich ein Bild von komplexen räumlichen Problemen zu machen.

Anders Hus Folkedal und Ramboll-Architekt Anders Ruud zeigen einem Kunden ein 360-Grad-Panorama-Rendering mit einem VR-Head-Mounted-Display.

Anders Hus Folkedal und Ramboll-Architekt Anders Ruud zeigen einem Kunden ein 360-Grad-Panorama-Rendering mit einem VR-Head-Mounted-Display.

Macht Ihre Leidenschaft für Technologie und Gaming VR für Sie attraktiver?

Aber sicher! Geben Sie einer nicht technisch versierten Person ein Headset und einen Computer. Sie hätte garantiert keine Ahnung, was sie damit anfangen soll. Viele haben noch nie etwas von Steam gehört und verstehen nicht, dass es ein wichtiges Portal für VR ist. Leider glauben die meisten fälschlicherweise, dass VR komplex und hochspezialisiert und somit nur etwas für Hightech-Fans ist. Ich kann diejenigen, die neugierig, aber zögerlich sind, nur ermutigen, sich VR auf einem Bildschirm anzusehen und auszuprobieren. Unternehmen könnten den Irrglauben über VR aus der Welt schaffen, indem sie ihre Aufenthaltsräume mit ein paar Headsets ausstatten, sodass die Mitarbeitenden die Technologie ausprobieren können.

Mittelschule Veiavangen, Mjøndalen, Norwegen. Ein Rambøll-Projekt, bei dem mehrere BIM-Modelle aus verschiedenen Programmen in SketchUp kombiniert wurden.

Mittelschule Veiavangen, Mjøndalen, Norwegen. Ein Rambøll-Projekt, bei dem mehrere BIM-Modelle aus verschiedenen Programmen in SketchUp kombiniert wurden.

Ich habe lange davon geträumt, (Landschafts-)Architektur und Gaming zu kombinieren, und endlich wurde mein Traum wahr. Die Gaming-Branche hat Innovationen vorangetrieben und ist der Architektur-, Ingenieur- und Baubranche in mancher Hinsicht Lichtjahre voraus.

Anders Hus Folkedal erfindet den Barcelona-Pavillon von Mies Van der Rohe in einem Wald neu. Mit SketchUp + Unreal Engine kann der Architekt hochwertige, reale Assets einbringen, seine eigene Vegetation mit Speedtree modellieren, Ökosysteme definieren, Schlingpflanzen und Pfade mit Splines zeichnen.

Anders Hus Folkedal erfindet den Barcelona-Pavillon von Mies Van der Rohe in einem Wald neu. Mit SketchUp + Unreal Engine kann der Architekt hochwertige, reale Assets einbringen, seine eigene Vegetation mit Speedtree modellieren, Ökosysteme definieren, Schlingpflanzen und Pfade mit Splines zeichnen.

Dies ändert sich mit der Übernahme von Twinmotion durch Epic Games und der Veröffentlichung des Exportprogramms Datasmith für SketchUp in Unreal Engine. Ich gehe davon aus, dass Start-ups wie Quixel unseren Arbeitsablauf revolutionieren und eine ständig wachsende Bibliothek mit gescannten Fotos bereitstellen werden. Das Rendern von Standbildern wird damit irgendwann der Vergangenheit angehören. Indem wir Modelle einfach in Unreal Engine exportieren, können wir mit einem Xbox-Controller mit nur wenigen Klicks in VR herumfliegen. Endlich können wir unsere Designs spielen!

Über den Autor

Sumele erstellt Architektur- und leistungsorientierte Inhalte in den SketchUp-Blogs. Wenn sie nicht gerade schreibt oder sich mit Architektur auseinandersetzt, ist sie wohl gerade mit Singen, Kochen oder Lesen beschäftigt.

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