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Mit SketchUp eine 3D-Stadt entwerfen

Paul Lee ist Architekt und lebt in der irischen Stadt Cork. Er ist CEO des Unternehmens Viewsion Virtual Environments und arbeitet seit vielen Jahren in den Bereichen digitale Modellierung, Architektur, Produktdesign und Weiterbildung. Mit seinem Hintergrund und seinem SketchUp-Fachwissen war er schon immer auf der Suche nach einer Möglichkeit, die Geschichte und Kultur seiner Stadt mit digitalen Tools bekannter zu machen. Wir haben ihn gefragt, wie es ihm mit SketchUp gelungen ist, ganz Cork in 3D nachzubauen. 

Mit SketchUp eine 3D-Stadt entwerfen

Erzählen Sie uns von Ihrem Projekt. 

Meine Heimatstadt Cork war mir schon immer wichtig, und ich wollte versuchen, ein besonderes Erlebnis schaffen, das sie einem nahe bringt. Das hat mich dazu geführt, ein detailliertes 3D-Modell der gesamten Stadt zu entwickeln. 

Die erste Herausforderung war die Innenstadt, für die ich ein Modell mit einem Radius von einem Kilometer bauen wollte. Eine ganz schön große Aufgabe ... Die ich allein hätte erledigen können, aber weil ich auch Dozent bin, habe ich mir Studierende gesucht, die berufliche Erfahrungen gebrauchen konnten, und habe ihnen gezeigt, wie man digitale 3D-Modelle entwickelt. Zuerst hat jeder Student, jede Studentin einen eigenen Teil der Stadt modelliert, und am Schluss haben wir alles in einem Modell zusammengefasst.

 
3D-Modellierung
Mit SketchUp eine 3D-Stadt entwerfen
3D-Modell der irischen Stadt Cork.

In SketchUp erstellte Ansichten und Bereiche der historischen Innenstadt von Cork. 

Wie sah der typische SketchUp-Arbeitsablauf für Sie und die Studierenden aus? Wie lang hat das Projekt gedauert?

Zu Beginn haben wir uns auf die einfachen Aufgaben konzentriert. Ich habe die Studierenden gebeten, Geomodelle zu erstellen, um die richtigen Längen- und Breitenmaße der Häuserblöcke sicherzustellen. Mit Street View konnten wir auch ihre allgemeine Höhe und Form erfassen. 

Zuerst war der Plan, ein fotografisches Modell des gesamten Stadtbereichs zu erstellen, aber aus verschiedenen Gründen haben wir uns für ein blankes, nicht-fotografisches Modell entschieden:

  • Die verfügbaren Texturen hatten eine schlechte Qualität, insbesondere in den schmalsten Straßen (weil die Fotos aus einem schwierigen Winkel aufgenommen wurden).
  • Die Studierenden waren Anfänger:innen, und es wäre noch zu schwer gewesen, hochwertige fotografische Modelle zu erstellen.
  • Ein fotografisches Modell eines solchen Bereichs hätte die Klarheit eher verringert statt erhöht, weil das Modell weniger wie eine Karte ausgesehen hätte und mehr wie eine Umgebung für ein Computerspiel.
  • Das Erstellen eines Fotomodells hätte viel Zeit gebraucht.

Sobald wir die ersten Daten hatten, habe ich den Studierenden die Aufgabe gegeben, jeweils einen bestimmten Häuserblock zu modellieren. Die ersten Modelle wurden alle auf einer flachen Ebene erstellt. Danach wurden die Bodenkonturen deaktiviert und die Häuserblöcke positioniert. Dann haben wir sie „zusammengenäht“, um das komplette Modell zu erhalten. Die Bodenmuster (Straßen, Fußwege, Grünflächen) hatten wir in einer separaten Zeichnung gespeichert, um sie dann über das Sandkisten-Tool „Fläche abbilden“ mit den Konturen zusammenzuführen.

Das endgültige, detaillierte Modell habe ich selbst finalisiert, bevor ich andere Studierende bat, bei der Einrichtung der Website zu helfen.

Das Projekt hat immens viel Zeit verschlungen. Ich würde schätzen, dass jemand, der oder die schnell und Vollzeit modelliert, etwa 12 bis 18 Monate daran gesessen hätte. 

Fertiges 3D-SketchUp-Modell

Das fertige 3D-SketchUp-Modell in seiner ganzen Größe.

Dieses Video zeigt das Modell aus der Nähe:

Wie sah das Ergebnis aus?

Ganz wunderbar – und die Studierenden hatten Spaß an der Herausforderung. Das 3D-Modell hat jetzt verschiedene Funktionen. Man kann Videos, Karten, interaktive Erlebnisse und sogar 3D-Drucke daraus erstellen. Ich habe zum Beispiel einen 3D-Druck erstellt, der jetzt in der St. Peter's Church gezeigt wird, einem Ausstellungszentrum in der North Main Street. Das Modell dort ist kreisförmig mit einem Durchmesser von etwa einem Fuß, aber mit 3D-Druck kann man ja Modelle in ganz beliebiger Größe erstellen. Die Besucher:innen können es sich ansehen, um das Gelände, auf dem die Stadt steht, besser zu verstehen und sich einen Überblick über die Sehenswürdigkeiten zu verschaffen.

Ich habe auch eine neue Website erstellt, die die Stadt Cork so zeigt, wie sie noch niemand zuvor gesehen hat. Cork.Guide ist eine interaktive 3D-Karte, die die Straßen, Gebäude, Pubs und Restaurants der Stadt zeigt – und ihre Geschichte. Es gibt auf der Website inzwischen ganz verschiedene Karten, auf denen die Leute finden, was sie suchen. Sie können sie drehen, zoomen und quasi anfassen. Das ist ein einzigartiger Ansatz.

Die vollständige Karte der irischen Stadt Cork auf Grundlage eines in SketchUp erstellten 3D-Modells.

Die vollständige Karte der irischen Stadt Cork auf Grundlage eines in SketchUp erstellten 3D-Modells. 

Welche Wünsche für die Zukunft haben Sie für dieses Projekt? 

Ich fände es toll, wenn andere Städte diese Strategie der 3D-Modellierung übernähmen. Diese Technologie lässt sich weltweit einsetzen. Außerdem hoffe ich, dass Cork.Guide die Stadt zugänglicher macht, sowohl für Besucher:innen als auch für Einheimische. Wir haben viel Blut, Schweiß und Tränen vergossen und wenig geschlafen, um diesen Zustand zu erreichen, aber ich hatte das Gefühl, dass es jemand tun musste. Meine Hoffnung ist es, dass diese Ressource Chancen für lokale Geschäfte eröffnet, sodass sie auch im Internetzeitalter weiterhin wettbewerbsfähig bleiben.


Wenn Sie mehr über Paul Lee erfahren möchten, besuchen Sie seine Website. Seine neuen Bücher heißen Rapid Modelling for Minecraft und Construction Documents Using SketchUp Pro 2020.
 
 

Über den Autor

Wenn Cara nicht gerade Texte schreibt oder mehr über die Arbeitsabläufe von Kunden lernt, findet man sie in 4.000 Meter Höhe auf einem Berggipfel, auf den Skipisten von Colorado oder auf ihrer Couch, wo sie Netflix-Sendungen anschaut.

Profile Photo of Cara Bell {GERMAN}